

Davisson Ngawa Djeumen
M.Eng. Energietechnik - Projektleiter TGA, Elektrotechnik
29. September 2026 · 16 Min. Lesezeit
Technisches Monitoring
Technisches Monitoring bezeichnet die kontinuierliche Überwachung und Bewertung technischer Anlagen der Gebäudetechnik und dient als Instrument der Qualitätssicherung nach AMEV.
Einleitung
Bei einem Bauprojekt arbeiten zahlreiche Fachdisziplinen zusammen, darunter Architektur, Elektrotechnik, Sanitär-, Heizungs-, Kälte- und Lüftungstechnik, Tragwerksplanung sowie Bau- und Projektmanagement. Jede Fachdisziplin übernimmt klar definierte Aufgaben und arbeitet auf Grundlage der jeweils geltenden Normen, Richtlinien und gesetzlichen Vorgaben.
Planung und Umsetzung eines Bauprojekts erfolgen in der Regel in neun Leistungsphasen gemäß der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Während dieser Phasen werden die Planungsleistungen kontinuierlich mit dem Bauherrn abgestimmt und der Projektfortschritt dokumentiert. Änderungswünsche und Anforderungen des Bauherrn können dabei in den jeweiligen Planungs- und Ausführungsphasen berücksichtigt werden.
Mit der Fertigstellung und Inbetriebnahme beginnt jedoch eine weitere entscheidende Phase: der Betrieb des Gebäudes. Erst während der tatsächlichen Nutzung zeigt sich, ob die geplanten technischen Anlagen im Zusammenspiel wie vorgesehen funktionieren und die angestrebten Betriebsziele erreicht werden.
In der Praxis treten häufig Abweichungen zwischen der Planung und dem späteren Anlagenbetrieb auf. Beispielsweise können ein unerwartet hoher Energieverbrauch, fehlerhafte Regelungen, unzureichend abgestimmte Anlagen oder wiederkehrende Störungen die Wirtschaftlichkeit und den Komfort eines Gebäudes beeinträchtigen. Die Folgen können steigende Betriebskosten, Einschränkungen für die Nutzer und ein erhöhter Aufwand für Betreiber und Instandhaltung sein.
Um solche Probleme frühzeitig zu erkennen und möglichst zu vermeiden, sollte der spätere Gebäudebetrieb bereits während der Planung berücksichtigt werden. Hier setzt das Technische Monitoring an . Bereits in der Vorplanung können ein Monitoring- und Betreiberkonzept, ein Lastenheft sowie die Anforderungen an die Funktionsweise des Monitorings festgelegt werden. Gleichzeitig werden die erforderlichen technischen Schnittstellen definiert.
Nach der Inbetriebnahme werden relevante Betriebs- und Messdaten der technischen Gebäudeausrüstung kontinuierlich erfasst, ausgewertet und mit den zuvor definierten Zielwerten verglichen. Dadurch lassen sich Abweichungen erkennen, deren Ursachen analysieren und gegebenenfalls geeignete Optimierungsmaßnahmen einleiten.
Ein einfaches Beispiel ist die Lüftungs- oder Heizungsanlage eines Hörsaals. Die Anlagen sollten möglichst bedarfsgerecht betrieben werden und beispielsweise nur dann ihre Leistung erhöhen, wenn der Raum tatsächlich genutzt wird. Auch die Beleuchtung kann über Präsenz- oder Bewegungsmelder bedarfsgerecht gesteuert werden.
Dafür müssen relevante Betriebsdaten wie Raumtemperatur, Luftqualität, Energieverbrauch, Anlagenzustände und gegebenenfalls die Anwesenheit von Personen erfasst und systematisch ausgewertet werden. Die Daten ermöglichen es, das tatsächliche Nutzungs- und Lastprofil eines Gebäudes zu bestimmen und die Anlagentechnik entsprechend anzupassen.
Die Erfassung und Bereitstellung dieser Betriebsdaten erfolgt beispielsweise über die Gebäudeautomation oder über Bussysteme. Dadurch können die in der Planung festgelegten Zielwerte mit den tatsächlich gemessenen Betriebsdaten für definierte Prüfgrößen verglichen werden. Auf diese Weise lässt sich überprüfen, ob die geplanten Betriebsziele tatsächlich erreicht werden.
Technisches Monitoring (TMon) ist damit ein Instrument der Qualitätssicherung im Bauwesen. Es unterstützt einen energieeffizienten, ressourcenschonenden, komfortablen und wirtschaftlichen Betrieb der technischen Anlagen.
Technisches Monitoring kann sowohl bei Neubauten als auch bei Umbau- und Sanierungsmaßnahmen eingesetzt werden. Ziel ist es, gemeinsam mit dem Bauherrn, den Planern, Betreibern und ausführenden Fachfirmen geeignete Maßnahmen zu identifizieren und umzusetzen, damit das Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus möglichst effizient und störungsfrei betrieben werden kann.
1. Grundlagen des technischen Monitorings
1.1. Aufgabe der Technische Monitorings
Die Hauptaufgabe der TMon besteht darin, die Leistungsfähigkeit von Gebäude und Anlagen zu prüfen.
Die Leistungsfähigkeit des Gebäudes wird erreicht, wenn die wichtigen Informationen zur Optimierung des Betriebs über verschiedene technische Bereiche gesammelt, genutzt und gut gemanagt wird. Zu der Informationen zählen zum Beispiel Informationen über den Strom-, Wasser- und Heizungsverbrauch; Informationen über den Zustand von Anlagen und Geräten; Informationen von Systemen, die Heizung, Lüftung, Klimaanlage oder Beleuchtung oder Informationen über die Nutzung des Gebäudes (die Auslastung von Räumen oder die Häufigkeit von Störungen und Reparaturen). Außerdem zählen auch Daten aus der Planungsphase, wie z.B. die vorgesehenen Funktionsweisen und technischen Spezifikationen des Gebäudes, die im Betrieb überprüft und angepasst werden.
1.2. Arten des technischen Monitorings
Technisches Monitoring kann in einem Gebäude aus verschiedenen Gründen eingesetzt werden. Durch die Beantwortung einiger Schlüsselfragen lässt sich klar bestimmen, welche Art des Monitorings für die spezifischen Anforderungen des Gebäudes am besten geeignet ist. Geht es darum, die Betriebskosten zu senken, den Komfort der Nutzer zu verbessern, die CO₂-Emissionen zu reduzieren oder die Wartung der technischen Anlagen zu erleichtern? Die Antworten auf diese Fragen geben Aufschluss über die passende Monitoring-Lösung. Grundsätzlich unterscheidet man drei Hauptbereiche des technischen Monitorings: das Energiemonitoring (EMon), das Anlagenmonitoring (Amon) sowie das Gebäude- und Behaglichkeitsmonitoring (GBMon).
1.2.1. Energiemonitoring
Die Energiemonitoring ist die kontinuierliche Überwachung des Energieverbrauchs in einem Gebäude oder Anlage mit dem Ziel Einsparpotenziale zu erkennen und die Energieeffizienz zu verbessern. Die Energiemonitoring unterscheidet zwei Gruppen von Verbraucher:
Energieverbraucher: Die Energieverbraucher sind alle Geräte und Anlagen in einem Gebäude, die Energie wie Strom, Wärme oder Gas verbrauchen. Dazu zählen z. B. Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, Beleuchtung, Elektrogeräte und Pumpen.
Medienverbraucher: Medienverbraucher sind Geräte und Anlagen, die Medien wie Wasser, Luft, Gas oder Wärme verbrauchen, welche für den Betrieb von Gebäuden oder technischen Systemen notwendig sind. Beispiele für Medienverbraucher sind Heizungssysteme, die Wärmeenergie oder Gas verbrauchen, Lüftungsanlagen, die Luft nutzen, Klimaanlagen, die Kältemittel oder Strom benötigen, sowie Wasserversorgungssysteme und sanitäre Einrichtungen, die Wasser verbrauchen.
Beim Energiemonitoring werden Messdaten gesammelt, übermittelt, verarbeitet und analysiert, um den Energieverbrauch zu optimieren.
1.2.2. Anlagemonitoring
Die Anlagenmonitoring ist die kontinuierliche Überwachung und Analyse der technischen Anlagen und Systeme, um deren Leistung zu steigern, Störungen rechtzeitig zu erkennen und Wartungsmaßnahmen optimal zu planen, um Ausfälle und teure Reparaturen zu verhindern. Die Betriebszustände wie zum Beispiel Betriebsstatus (Ein/Aus), Nutzungsdauer, Durchflussmenge, Fehlermeldungen, Lastzustand (Volllast/Teillast) werden im Rahmen des Anlagenmonitorings erfasst und analysiert.
Während beim Energiemonitoring der Gesamtverbrauch im Vordergrund steht, geht es beim Anlagenmonitoring um die detaillierte Beobachtung einzelnen Teilen und Geräte einer Anlage. Dank des Anlagenmonitorings können Funktionen kontrolliert, Wartungen bedarfsgerecht durchgeführt und der Betrieb optimiert werden, sodass Fehler frühzeitig erkannt, Energieverluste vermieden und unnötige Kosten reduziert werden. Zudem lässt sich damit das Energiemonitoring sinnvoll ergänzen.
1.2.3. Gebäude- und Behaglichkeitsmonitoring
Beim Gebäude- und Behaglichkeitsmonitoring geht es um die kontinuierliche Überwachung und Analyse der Raumqualität, um das Wohlbefinden der Nutzer in einem Gebäude zu gewährleisten. Die Daten zur Raumluft, Kohlenstoffdioxid-Konzentration (CO2-Gehalt), Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichtverhältnisse und Geräuschpegel werden erfasst und ausgewertet, um ein angenehmes, gesundes und energieeffizientes Raumklima zu schaffen und damit der Komfort der Nutzer zu erhöhen.
Durch Gebäude- und Behaglichkeitsmonitoring kann der Energieverbrauch minimiert und gleichzeitig sichergestellt werden, dass die Nutzerzufriedenheit und der Komfort nicht beeinträchtigt werden.
1.2.4. Unterschiede und Gemeinsamkeiten im technischen Monitoring
Die Energie-, Anlagen- sowie Gebäude- und Behaglichkeitsmonitorings unterscheiden sich in Ziel, Fokus und erfassten Daten. Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über ihre wesentlichen Merkmale.
Tabelle 1: Vergleichstabelle der drei Monitoring-Arten.
Kriterium | Energiemonitoring | Anlagenmonitoring | Gebäude- und Behaglichkeitsmonitoring |
Überwachungs-schwerpunkt | Gesamtenergie- und Medienverbrauch | Einzelne Anlagen, Komponenten und Betriebsdaten | Raumklima, Luftqualität, Nutzerkomfort |
Ziel | Energieeinsparung, Effizienzsteigerung | Funktionssicherheit, frühzeitige Störungserkennung, Wartungsoptimierung | Komfortsteigerung, gesunde Raumluft, Energieeffizienz und Nutzerzufriedenheit |
Typische erfasste Daten | Energiezählerstände, Strom- und Wärmeverbrauch | Schaltzustände, Betriebszeiten, Temperaturen, Störmeldungen | Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO₂-Gehalt, Licht, Geräuschpegel |
Fokus der Nutzung | über Einsparungen und Effizienz | Technisches Personal für Betrieb und Instandhaltung | Wohlbefinden und Zufriedenheit der Gebäudenutzer |
Bezug zur Energie-effizienz | Verbrauchsanalyse | über Anlagenzustand und Optimierungspotenzial | durch bedarfsgerechte Steuerung von Komfortsystemen |
1.3.Kategorien von technischen Monitoring-Systemen
Technisches Monitoring kann mit unterschiedlicher Detailtiefe und zeitlicher Auflösung durchgeführt werden. Die Systeme werden in drei Kategorien analog VDI 6041 unterteilt: niedrig (III), mittel (II) und hoch (I). Je höher die Kategorie, desto umfangreicher und automatisierter erfolgt die Datenerhebung, -verarbeitung und -auswertung.
Datenerfassung und Energiemessung: In Kategorie III erfolgt die Datenerfassung manuell oder mobil in großen Zeitabständen (z. B. monatlich). Die Energiemessung beschränkt sich auf Hauptzähler und grobe Betriebsstundenzähler.
Die Kategorie II verwendet teilweise automatisierte Systeme mit mittlerer zeitlicher Auflösung (z. B. täglich). Auch Unterzähler kommen zum Einsatz.
In Kategorie I ist die Erfassung hochautomatisiert mit sehr hoher zeitlicher Genauigkeit (z. B. minutenweise). Sämtliche Energieformen und relevante Aggregate werden erfasst.
Zustandserfassung und Bedarfsermittlung: Während bei Kategorie III nur die Steuergrößen überwacht werden, werden in höheren Kategorien zusätzlich Istzustände und Alarme erfasst. Die Bedarfsermittlung reicht von kaum vorhandenen Informationen (Kategorie III) bis hin zur vollständigen Abbildung aller Bedarfsanforderungen (Kategorie I).
Änderungsprotokollierung und Zugriffsrechte: Eine systematische Änderungsaufzeichnung fehlt in Kategorie III, während sie in den höheren Kategorien vorhanden ist. In Kategorie I sogar nutzerspezifisch und lückenlos. Die Zugangskontrolle steigt mit der Kategorie: von einem Generalschlüssel (III) bis hin zu individuellen Nutzerschlüsseln (I).
Datensicherheit und Qualität: Die Datensicherung erfolgt in allen Kategorien durch zeitlich festgelegte Intervalle, bei Kategorie II und I zusätzlich durch automatische Synchronisation. Die Datenqualität wird erst ab Kategorie II berücksichtigt – in Kategorie I mit vollständiger Signalbewertung inklusive Verfügbarkeit und Kommunikation.
Auswertung und Schnittstellen: Die Kategorie III ermöglicht nur eine einfache Auswertung der Verbräuche. In Kategorie II werden zusätzlich zeitlich differenzierte Analysen durchgeführt. Kategorie I erlaubt erweiterte statistische Untersuchungen und eine tiefgehende automatische Auswertung unter Einbeziehung von Programmierung und Zeitsteuerung.
Optimierungspotenzial und IT-Infrastruktur: Die Kategorie III bietet nur begrenztes Potenzial zur Optimierung. In Kategorie II sind gezielte Einsparungen möglich. Die Kategorie I unterstützt vollumfänglich Optimierungsmaßnahmen, da alle relevanten Daten zentral verfügbar und auswertbar sind. IT-seitig sind in Kategorie I komplexe Lösungen für Datenübertragung, Aufbereitung und Weitergabe erforderlich.
Tabelle 2. Kategorien und Merkmale von TMon-Systemen nach VDI 6041 [1]
Merkmal | III niedrig | II mittel | I hoch |
Datenerfassung | Art: manuell oder mobil Intervall: niedrige zeitliche Auflösung, das heißt größere Abstände, meist Wochen oder Monate | Art: meist automatisch mit fernauslesbaren Zählererfassungs-systemen Intervall: mittlere zeitliche Auflösung, z.B. tage- oder wochenweise | Art: automatisiert, z.B. Fernübertragung, Bussysteme oder Prozessinformationssystem Intervall: hohe zeitliche Auflösung, z.B. minuten- oder sekundengenau |
Energiemessung | • Hauptzähler •Betriebsstundenzähler (statt Energieverbräuchen) | • Hauptzähler • Unterzähler • teilweise Betriebsstundenzähler | • Hauptzähler • Unterzähler • wichtige Aggregate • alle Energieformen |
Zustände | Monitoring der Stellgrößen (nicht tatsächliche Istzustand) | • Istzustände (im Ausnahmefall Stellgrößen) • wichtigste Alarme | • Istzustände • Stellgrößen • Alarme |
Bedarfserfassung | wenige bis keine Informationen | wichtigste Informationen der Hauptanlagen (nicht zonenbezogen) | alle Informationen über Bedarfsanforderungen |
Änderungsauf- zeichnung | keine systematische Aufzeichnung | Systematische Aufzeichnung von • Änderungen mit Zeit • Personenkennung • altem/neuem Wert • allen Werten summarisch nach lokalem Zugriff und Fernzugriff | systematische Aufzeichnung von • Änderungen mit Zeit • Personenkennung • altem/neuem Wert • allen Werten summarisch auf individuellen Nutzer bezogen |
Persönlicher Zugriff | Generalschlüssel | mindestens zwei Schlüssel (lokale Bedienung und Fernbedienung) | individueller Schlüssel für jeden Nutzer |
Fernzugriff auf das Monitoringsystem | nein | Erkennbarkeit von • Messdaten • Zeitprogrammen | Fernzugriff auf alle Daten einschließlich Alarmen mit sehr kleiner zeitlicher Verzögerung |
Datennormierung | manuell | automatisch | automatisch |
Datensicherheit | Sicherung über festgelegte Zeit (z.B. 48 Stunden) Bei Netzausfall oder Neustart manuelle Synchronisation | Sicherung über festgelegte Zeit (z.B. 48 Stunden) bei Netzausfall oder Neustart automatische Datenübertragung und Synchronisation | Sicherung über festgelegte Zeit (z.B. 48 Stunden) bei Netzausfall oder Neustart automatische Datenübertragung und Synchronisation |
Datenqualität | wird nicht aufgezeichnet | Erfassung der Signalqualität innerhalb oder außerhalb der Kennwerte eines Sensors | Erfassung der vollständigen Signalqualität: • Verfügbarkeit des Signals • innerhalb- oder außerhalb der Kennwerte • Kommunikation |
Auswertung | Auswertung der Energie- und Ressourcenverbräuche | Genauere Analysen sind möglich. Auswertung berücksichtigt die (wichtigsten) automatisch ein-gestellten Zeiten. | Zusätzlich zu den Analysen nach III und II sind aufwendige statistische Untersuchungen möglich, z.B. automatische Fehlererkennung. Auswertung kann automatisch berücksichtigen: • Programmierung • Zeitprogramme |
Schnittstelle/ Datenausgabe | Berichte und Kostenzuordnung stehen erst nachträglich, oft mit hoher zeitlicher Verzögerung bereit. | neben Verbrauchserfassung z.B. auch Lastgänge oder Energiebilanzen | Zusätzlich zu den üblichen Berichten (siehe III und II) sind aufwendige statistische Untersuchungen möglich. Daten können auch direkt für GA genutzt werden. |
Potenziale | begrenztes Potenzial zur Energieeinsparung und Optimierung | erweitertes Potenzial zur Energieeinsparung und Optimierung | Aufgrund der Vielzahl der Daten können praktisch alle Einspar- Und Optimierungspotenziale ausgeschöpft werden. |
IT-Lösungen | geringe Anforderungen, z.B. für Kostenzuordnung | Datentransfer (Netzwerk), zentrale Bereitstellung und Aufbereitung der Daten | zwingend erforderlich für Datentransfer, Aufbereitung, Auswertung, Übergabe an GA |
1.4.Technisches Monitoring in der Nutzungsphase
Das technische Monitoring wird in der Nutzungsphase sowohl als Einregulierungs- als auch als Langzeitmonitoring durchgeführt. Beide Betriebsarten dienen der kontinuierlichen Überwachung und Optimierung der gebäudetechnischen Anlagen.
Das Einregulierungsmonitoring beginnt mit der erstmaligen Nutzung des Gebäudes und kann bis zu zwei Jahre andauern. In diesem Zeitraum wird der Anlagenbetrieb unter realen Nutzungsbedingungen detailliert analysiert und optimiert. Ziel ist es, Energiekennwerte, Betriebsdaten und Effizienzpotenziale zu erfassen, um Sollwerte für einen energieeffizienten und bedarfsgerechten Betrieb festzulegen. Für eine erfolgreiche Durchführung des Einregulierungsmonitorings sind neben der Erfassung des Energieverbrauchs auch weitere Betriebsparameter wie Volumenströme, Luftqualität, Temperaturen und Betriebszeiten und Schaltzyklen zu berücksichtigen.
Im Anschluss folgt das Langzeitmonitoring, das sich über die gesamte Nutzungsphase erstreckt. Das Langzeitmonitoring stellt sicher, dass die im Einregulierungsmonitoring erarbeiteten Sollzustände dauerhaft eingehalten werden. Durch kontinuierliche Überwachung, Soll-Ist-Vergleiche und frühzeitige Fehlererkennung ermöglicht das Langzeitmonitoring eine langfristig stabile, effiziente und bedarfsgerechte Betriebsweise. Bei wesentlichen Anpassungen an der Gebäudetechnik oder der Nutzung kann ein weiteres Einregulierungsmonitoring erforderlich sein.
2. Rechtliche und normative Rahmenbedingungen des technischen Monitorings
Die Durchführung eines technischen Monitorings bringt rechtliche Anforderungen mit sich, insbesondere im Hinblick auf den Schutz von Personen und die Integrität technischer Anlagen. Folgende Aspekte sind aus rechtlichen Gründen zu beachten:
Datenschutz
Wird das Monitoring über eine Gebäudeautomation umgesetzt, kommen häufig Systeme wie Präsenzmelder zum Einsatz, beispielsweise zur automatischen Steuerung der Beleuchtung. Präsenzmelder erfassen kontinuierlich Lichtverhältnisse und Bewegungen im Raum, um festzustellen, ob sich eine oder mehrere Personen im Raum befinden.
Die dabei erhobenen Daten insbesondere die Erkennung von Anwesenheit können als personenbezogene Informationen gewertet werden. Ihre Erfassung, Speicherung und Weiterverarbeitung unterliegt daher den Vorgaben des Datenschutzrechts. Werden diese Daten ohne ausreichende Schutzmaßnahmen oder Rechtsgrundlage verarbeitet, kann dies zu einem Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) führen.
Gewährleistungsansprüche bei Eingriffen der technischen Anlagen im Rahmen des technischen Monitorings
Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB, (§ 633–638; Ausfertigungsdatum: 18.08.1896; zuletzt geändert durch Art. 1 G v. 17.7.2025 I Nr. 163 ) und in der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/B, § 113, Stand 2019) sind die rechtlichen Rahmenbedingungen der Sachmängelfrist definiert. Bei der Sachmängelfrist geht es um den Zeitraum nach der Abnahme einer technischen Anlage, in dem der ausführende Unternehmer verpflichtet ist, für Mängel an seiner Leistung einzustehen. Ein Sachmangel liegt vor, wenn eine Anlage nicht die vereinbarte Funktion, Qualität oder Gebrauchstauglichkeit aufweist.
Während dieses Zeitraums dürfen Änderungen an den technischen Anlagen nur mit ausdrücklicher Zustimmung des ursprünglichen Errichters vorgenommen oder müssen direkt von diesem ausgeführt werden. Eigenmächtige Eingriffe etwa durch spätere Anpassungen im Rahmen des technischen Monitorings können dazu führen, dass die Sachmängelhaftung erlischt. Der Errichter kann in solchen Fällen nicht mehr für eventuelle Mängel verantwortlich gemacht werden, da die ursprüngliche Ausführung technisch verändert wurde.
Daher ist es insbesondere beim Einsatz von Monitoring-Maßnahmen wichtig, alle geplanten Eingriffe sorgfältig mit dem Errichter abzustimmen und diese zu dokumentieren. Nur so lässt sich der Verlust von Mängelansprüchen vermeiden und die rechtliche Absicherung der Betreiberseite gewährleisten.
Anforderungen an die messtechnische Infrastruktur
Neben den datenschutzrechtlichen Vorgaben ist sicherzustellen, dass die eingesetzte messtechnische Infrastruktur gegen unbefugte Zugriffe und Manipulationen geschützt ist. Die Systeme müssen so ausgelegt sein, dass ein Zugriff durch unautorisierte Dritte ausgeschlossen werden kann.
Es dürfen nur geeignete, zugelassene und gegebenenfalls geeichte Messgeräte verwendet werden, insbesondere wenn die erfassten Daten zur Energieverbrauchserfassung oder für Abrechnungszwecke herangezogen werden.
Darüber hinaus muss gewährleistet sein, dass die messtechnische Ausstattung den sicheren und ungestörten Betrieb der technischen Anlagen nicht beeinträchtigt. Dazu gehört unter anderem die Einhaltung hygienischer Anforderungen sowie der Schutz von Regelungs- und Steuerungstechnik. Das Zählerkonzept und die Zählerstruktur müssen nach VDI 2077 so gestaltet sein, dass eine Abrechnung möglich ist.
3. Gebäudeautomation als Zentraleinheit des Monitorings
Das Technische Monitoring erfordert eine zuverlässige und kontinuierliche Erfassung von Betriebsdaten der gebäudetechnischen Anlagen. Die Grundlage dafür bildet die Gebäudeautomation. Sie vernetzt und steuert alle relevanten Systeme im Gebäude wie Heizung, Lüftung, Kühlung, Beleuchtung, Verschattung sowie Sicherheits- und Zutrittssysteme. Das technische Monitoring ermöglicht so die automatische Erfassung und Auswertung wichtiger Betriebsgrößen. Über Sensoren und Messgeräte werden dabei physikalische Größen wie Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit, CO₂-Gehalt, Energieverbräuche, Anlagenlaufzeiten oder Zustände technischer Komponenten kontinuierlich erfasst. Die Gebäudeautomation speichert diese Daten in einem zentralen System (z. B. der Gebäudeleittechnik), wo sie ausgewertet und bei Bedarf auch visualisiert, werden können. Durch die Verfügbarkeit dieser Daten lassen sich viele wichtige Fragestellungen beantworten, zum Beispiel:
- Wie groß war der Energieverbrauch in der letzten Stunde / am letzten Tag / in der letzten Woche? Wann und wie lange liefen bestimmte technische Systeme?
- Wie war die Vorlauftemperatur / die Raumtemperaturen in der letzten Stunde / am letzten Tag / in der letzten Woche?
- Wie groß ist der Solarertrag? Wie viel Energie von diesem Ertrag konnten die Wallboxen in Autos laden?
- Aufzeichnung der Bewegungsmelder: Wie wurden die Räume genutzt? Wann war das Reinigungspersonal in der letzten Woche da?
Diese Informationen sind entscheidend, um den Gebäudebetrieb mit den geplanten Zielwerten aus der Planung abzugleichen, Abweichungen zu erkennen und Maßnahmen zur Optimierung einzuleiten. Darüber hinaus ermöglicht die Gebäudeautomation auch automatisierte Reaktionen beispielsweise das Anpassen der Heizleistung bei offenen Fenstern oder das Abschalten nicht benötigter Beleuchtung. Ohne eine funktionierende Gebäudeautomation wäre technisches Monitoring in dieser Form nicht möglich. Manuelle Datenerfassung wäre fehleranfällig, aufwendig und würde kaum den notwendigen zeitlichen Detailgrad bieten. Erst durch die Vernetzung, Steuerung und zentrale Datenverarbeitung wird es möglich, den Gebäudebetrieb kontinuierlich zu überwachen, zu analysieren und zu verbessern. Für die Automatisierung und Datenübertragung in Gebäuden stehen heute verschiedene etablierte Systeme zur Verfügung.
4. Marktüberblick: Anbieter technischer Monitoring-Lösungen
Technische Monitoring-Lösungen werden auf dem Markt von Ingenieurbüros, Herstellern, Unternehmen, Energieberatern oder Dienstleistern angeboten. Die untenstehende Tabelle 5 zeigt nur Lösungen, die direkt von den Herstellern bereitgestellt werden. Die meisten Hersteller bieten webbasierte Software an, die mit der Gebäudeautomation kommuniziert. Die Produkte unterscheiden sich unter anderem in Preis, Benutzerfreundlichkeit, Bedienbarkeit und Funktionen. Viele Softwarelösungen erfordern kein spezielles Fachwissen, daher wird eine Schulung durch den Hersteller empfohlen.
Tabelle 5: Beispiele für Anbieter von Technischen Monitoring-Lösungen
Nummer | Anbieter | Beschreibung |
1 | Synavision | Die synavision GmbH bietet Cloud-basierte Software (syna.x) technisches Monitoring nach AMEV 178. Das TMon mit syna.tech wird in bestehende Systeme integriert, indem die Anlagentechnik und Schnittstellen analysiert, der Datenzugang eingerichtet und die Anlage digital abgebildet wird. Bei ausreichender Datenverfügbarkeit ist das System meist innerhalb von ein bis zwei Wochen vollständig einsatzbereit. Kosten: 1 Monat kostenlos, dann 2000 Euro für 12 Monate |
2 | TÜV Süd | Das TMon mit der TÜV SÜD Data Box erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst werden im Projektsetup die Ausgangssituation analysiert und die zu überprüfenden Anlagen festgelegt. Anschließend erfolgt die Datenerfassung durch den Einbau der TÜV SÜD Data Box, welche technische Parameter der TGA auf einem digitalen Prüfstand erfasst. Die erhobenen Daten werden visualisiert und ausgewertet, um die tatsächliche Anlagenleistung darzustellen sowie Fehlfunktionen und Optimierungspotenziale zu identifizieren. Darauf aufbauend werden Handlungsoptionen zur Steigerung der Effizienz und Leistungsfähigkeit der TGA definiert. Der Zugang zum Dashboard kann innerhalb von 2 Wochen erhalten, aber wird jedoch vom Tüv Süd empfohlen TMon für mindesten 12 Wochen zu beauftragen. Kosten: ab 5.000 Euro für 12 Monate |
3 | LCN | Das TMon mit LCN von der Firma Issendorff KG erfolgt über LCN-GVS, ein browserbasiertes Visualisierungssystem, das die zentrale Steuerung und Überwachung mehrerer LCN-Anlagen und Gebäude ermöglicht. Mit Hilfe von Kopplungen können Fremdsystem angebunden werden. LCN-GVS kann auf alles browserfähige Endgerät (z.B. Rechner, Laptop, Tablet, Handy) installiert werden. Über verschlüsselte Verbindungen werden Betriebszustände und Messwerte erfasst, visualisiert und ausgewertet. Ereignis- und Kalenderfunktionen erlauben die Automatisierung von Prozessen sowie die Ausgabe von Meldungen, wodurch eine kontinuierliche Überwachung der technischen Gebäudeausrüstung und die Identifizierung von Optimierungspotenzialen möglich ist. |
4 | WEBVISION 5 | Das TMon mit DIGICONTROL erfolgt über die Software WEBVISION 5, die im Browser bedient wird. Mit der Software können Anlagen überwacht, dokumentiert und optimiert werden. Sie erfüllt die Vorgaben der VDI 6041 und des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). WEBVISION 5 arbeitet direkt mit der vorhandenen Gebäudeautomation zusammen und ermöglicht den Bauherren oder Betreibern ein Energiemanagement nach ISO 50001. Stärken der Software sind das Anlagen- und Energiemonitoring, die Analyse zur Optimierung des Betriebs und eine gute Übersicht über alle Prozesse. |
5 | Kieback&Peter | Das TMon mit Kieback&Peter erfolgt über das Software Qanteon. Zusätzlich kann Energiemanagement nach ISO 500001 mit Quanteon durchgeführt werden. Qanteon kann sowohl als lokal installierte Lösung als auch als Cloud-basierte Anwendung eingesetzt werden, wobei in beiden Fällen der vollständige Funktionsumfang zur Verfügung steht. Die Software ermöglicht die Erfassung, Analyse und Auswertung von Energiedaten, unterstützt die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen und erleichtert die Einhaltung der Anforderungen der ISO 50001. Die App Qanteon README kann über den Google Play Store oder den Apple App Store installiert werden. Sie ermöglicht die Erfassung von Zählerständen, unterstützt die automatische Zählererkennung mittels QR-Codes oder NFC-Tags und erleichtert den Zählertausch. |
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