
TGA-Planung
16. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Infrarotheizung oder klassische Heizung?
Neben klassischen Heizsystemen wie Gas- oder Pelletheizungen werden zunehmend elektrische Heizlösungen wie Infrarotheizungen betrachtet. Auch Wärmepumpen spielen bei Neubauten und Sanierungen eine wichtige Rolle.
Eine Infrarotheizung gehört zu den elektrischen Direktheizungen. Elektrische Energie wird direkt in Wärme umgewandelt.
Die Heizfläche gibt Wärme sowohl über Strahlung als auch über die Erwärmung der umgebenden Luft ab. Der wesentliche Unterschied zu klassischen Heizkörpern liegt dabei vor allem in der Art und Position der Wärmeabgabe.
Ein wichtiger Punkt: Eine Infrarotheizung benötigt für eine Kilowattstunde Wärme ungefähr eine Kilowattstunde Strom. Sie erzeugt also nicht aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme.
Infrarotheizung gegenüber klassischer Gasheizung
Eine Gasheizung erzeugt Wärme durch die Verbrennung von Erdgas. Die Wärme wird normalerweise über ein wassergeführtes Heizsystem an Heizkörper oder eine Fußbodenheizung übertragen.
Die Infrarotheizung benötigt dagegen:
- keinen Heizkessel
- keine Heizungsrohre
- keine Umwälzpumpe
- keinen Schornstein
- keinen Brennstofflagerraum
Dadurch kann die Installation vergleichsweise einfach sein.
Bei einer Gasheizung entstehen jedoch zusätzliche Anlagenverluste, während bei einer Direktheizung die elektrische Energie unmittelbar am Heizgerät in Wärme umgewandelt wird.
Der entscheidende Unterschied liegt deshalb nicht nur im Wirkungsgrad des einzelnen Heizgeräts, sondern vor allem bei den Energiekosten und dem gesamten Wärmebedarf des Gebäudes.
Infrarotheizung gegenüber Wärmepumpe
Besonders interessant ist der Vergleich mit einer Wärmepumpe.
Eine Wärmepumpe nutzt elektrische Energie, um Umweltwärme aus der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser in das Gebäude zu übertragen.
Dadurch kann aus einer Kilowattstunde Strom ein Mehrfaches an Wärme bereitgestellt werden. Die tatsächliche Effizienz hängt unter anderem von der Wärmequelle, der Vorlauftemperatur und der Auslegung der Anlage ab.
Vereinfacht dargestellt:
Infrarotheizung:
1 kWh Strom → etwa 1 kWh Wärme
Wärmepumpe:
1 kWh Strom → mehrere kWh Wärme
Damit unterscheiden sich beide Systeme grundlegend hinsichtlich des elektrischen Energiebedarfs.
Anschaffungskosten
Ein wesentlicher Vorteil elektrischer Direktheizungen kann in den vergleichsweise geringen Investitionskosten liegen.
Für eine Infrarotheizung sind keine wasserführenden Heizungsleitungen und häufig keine zentrale Wärmeerzeugungsanlage erforderlich.
Eine Wärmepumpe benötigt dagegen zusätzliche Komponenten wie beispielsweise:
- Wärmepumpe
- Hydraulik
- Heizflächen
- Regelung
- gegebenenfalls Pufferspeicher
- gegebenenfalls Warmwasserspeicher
Auch die Anpassung der bestehenden Heizungsanlage kann bei einer Sanierung zusätzliche Kosten verursachen.
Deshalb sollte nicht nur der Kaufpreis betrachtet werden. Entscheidend sind die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer.
Betriebskosten
Hier liegt einer der wichtigsten Unterschiede.
Bei einer Infrarotheizung hängt der Energieverbrauch unmittelbar vom Wärmebedarf des Gebäudes ab.
Benötigt ein Gebäude beispielsweise 10.000 kWh Wärme pro Jahr, müsste eine elektrische Direktheizung dafür vereinfacht betrachtet etwa 10.000 kWh elektrische Energie bereitstellen.
Bei einer Wärmepumpe ist der erforderliche Stromverbrauch aufgrund der Nutzung von Umweltwärme deutlich geringer, sofern die Anlage unter geeigneten Bedingungen effizient betrieben wird.
Deshalb können die niedrigen Investitionskosten einer Infrarotheizung durch höhere laufende Energiekosten ausgeglichen oder übertroffen werden.
Wärmeverteilung
Auch bei der Wärmeverteilung gibt es Unterschiede.
Eine klassische wassergeführte Heizung transportiert die Wärme über Rohrleitungen zu den Heizflächen. Eine Fußbodenheizung verteilt die Wärme beispielsweise großflächig über den Boden.
Bei einer Infrarotheizung wird die Wärme direkt am jeweiligen Heizgerät abgegeben.
Das kann bei einzelnen Räumen oder gezielt genutzten Bereichen Vorteile bieten. Bei einem gesamten Gebäude muss dagegen die Position mehrerer Heizflächen sorgfältig geplant werden.
Regelung und Komfort
Infrarotheizungen lassen sich grundsätzlich schnell regeln. Die Heizleistung kann über Thermostate oder andere Regelungssysteme gesteuert werden.
Auch klassische Heizsysteme verfügen über moderne Regelungsmöglichkeiten.
Bei einer Wärmepumpe ist dagegen eine gute Abstimmung zwischen Wärmeerzeugung, Heizflächen und Vorlauftemperatur besonders wichtig. Niedrige Vorlauftemperaturen verbessern in vielen Fällen die Effizienz einer Wärmepumpe.
Platzbedarf
Bei einer Infrarotheizung ist der Platzbedarf der technischen Anlage gering.
Es wird keine zentrale Heizungsanlage mit Kessel oder Wärmepumpeneinheit benötigt. Die Heizflächen können direkt im jeweiligen Raum angeordnet werden.
Bei klassischen Heizsystemen müssen dagegen je nach System zusätzliche Komponenten berücksichtigt werden.
Bei einer Wärmepumpe kommen beispielsweise Außen- und Inneneinheiten sowie gegebenenfalls Speicher und weitere technische Komponenten hinzu.
Wartungsaufwand
Auch beim Wartungsaufwand unterscheiden sich die Systeme.
Eine elektrische Infrarotheizung besitzt vergleichsweise wenige mechanische Komponenten. Dadurch ist der technische Wartungsaufwand grundsätzlich gering.
Bei komplexeren Heizungsanlagen müssen dagegen verschiedene Komponenten regelmäßig überprüft und gewartet werden.
Dabei sollte jedoch zwischen Wartungsaufwand und Lebenszykluskosten unterschieden werden. Ein geringer Wartungsaufwand bedeutet nicht automatisch geringere Gesamtkosten.
Gebäudequalität ist entscheidend
Welches Heizsystem sinnvoll ist, hängt stark vom Gebäude ab.
Ein schlecht gedämmtes Gebäude benötigt deutlich mehr Heizenergie als ein gut gedämmtes Gebäude.
Deshalb sollte vor der Auswahl eines Heizsystems zunächst der Wärmebedarf betrachtet werden.
Gerade bei Bestandsgebäuden können Maßnahmen an der Gebäudehülle, beispielsweise Dämmung oder Fensteraustausch, einen erheblichen Einfluss auf die erforderliche Heizleistung haben.
Auch die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass der Wärmebedarf wesentlich von der Gebäudehülle und dem Nutzerverhalten bestimmt wird.
Vergleich der wichtigsten Eigenschaften
| Kriterium | Infrarotheizung | Gasheizung | Wärmepumpe |
|---|---|---|---|
| Energieträger | Strom | Erdgas | Strom + Umweltwärme |
| Wärmebereitstellung | Direkt elektrisch | Verbrennung | Wärmepumpenprozess |
| Heizungsrohre erforderlich | Nein | Ja | In der Regel ja |
| Zentrale Wärmeerzeugung | Nicht zwingend | Ja | Ja |
| Investitionsaufwand | Vergleichsweise gering | Mittel bis hoch | Meist höher |
| Platzbedarf | Gering | Heizraum erforderlich | Höher |
| Regelbarkeit | Gut | Gut | Gut |
| Wartungsaufwand | Gering | Höher | Abhängig vom System |
| Strombedarf | Hoch | Geringerer Strombedarf | Deutlich geringer als Direktheizung bei effizientem Betrieb |
| Eignung für einzelne Räume | Gut | Eher ungeeignet | Möglich, aber abhängig vom Konzept |
Für welchen Einsatz kann eine Infrarotheizung interessant sein?
Eine Infrarotheizung kann insbesondere dann interessant sein, wenn nur einzelne Räume oder Bereiche beheizt werden sollen.
Mögliche Anwendungen sind beispielsweise:
- selten genutzte Räume
- kleine Gebäude
- Anbauten
- Hobbyräume
- Arbeitszimmer
- Badezimmer als Zusatzheizung
- Gebäude ohne vorhandenes wassergeführtes Heizsystem
Bei einem gesamten Wohngebäude sollte dagegen der langfristige Energiebedarf besonders genau betrachtet werden.
Was sollte bei einem Vergleich berücksichtigt werden?
Ein sinnvoller Vergleich sollte nicht nur den Anschaffungspreis betrachten.
Folgende Punkte sollten in die Betrachtung einbezogen werden:
- Investitionskosten
Wie viel kostet die komplette Installation?
- Energieverbrauch
Wie viel Energie benötigt das Gebäude jährlich?
- Energiepreise
Wie entwickeln sich die Kosten für Strom und andere Energieträger?
- Wartung
Welche regelmäßigen Wartungs- und Instandhaltungskosten entstehen?
- Lebensdauer
Wie lange können die einzelnen Komponenten voraussichtlich genutzt werden?
- Gebäudehülle
Wie hoch ist der tatsächliche Wärmebedarf?
- Nutzung
Wird das Gebäude dauerhaft oder nur zeitweise beheizt?
- Photovoltaik
Kann eine vorhandene PV-Anlage einen Teil des Strombedarfs decken?
Fazit
Eine Infrarotheizung und eine klassische Heizungsanlage verfolgen unterschiedliche technische Konzepte.
Die Infrarotheizung punktet insbesondere durch einfache Installation, geringen Platzbedarf und gute Regelbarkeit. Gleichzeitig ist sie eine elektrische Direktheizung und benötigt für die Bereitstellung der Wärme entsprechend viel elektrische Energie.
Bei einer Wärmepumpe ist der technische und finanzielle Aufwand für die Installation meist höher. Dafür kann sie aufgrund der Nutzung von Umweltwärme deutlich weniger elektrische Energie für dieselbe Wärmemenge benötigen.
Deshalb sollte die Entscheidung nicht allein anhand des Kaufpreises getroffen werden. Entscheidend sind Gebäude, Wärmebedarf, Nutzung, Investitionskosten und langfristige Betriebskosten.
Für eine fachgerechte Planung empfiehlt es sich, zunächst den Wärmebedarf des Gebäudes zu ermitteln und anschließend die verschiedenen Heizsysteme unter identischen Randbedingungen miteinander zu vergleichen.
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